NZZ: Ode an einen Hühnerstall

Schrill, laut, ideologisch: Das Gemeindeparlament der Stadt Zürich hat einen schlechten Ruf. Zu Unrecht, denn von der hier gepflegten Debattenkultur könnten andere Volksvertreter etwas lernen.

Der junge Mann kann gar nicht mehr aufhören zu reden. Mit seinen sorgfältig frisierten blonden Haaren, seinem schwarzen Anzug und seiner roten Krawatte mit Schweizerkreuz wirkt er wie ein Konfirmand, der die dramatischen Folgen einer alttestamentarischen Plage schildert. «Verluderung der humanitären Tradition», sprudelt es aus ihm heraus, «Eintrittstor für Scheinflüchtlinge», «Sozialstaatsmigranten». Auf der linken Ratsseite: entsetzte Mienen, gehässige Zwischenrufe, scharrende Füsse, Gelächter.

Als es dem Ratspräsidenten nach hilflosen Ermahnungen endlich gelungen ist, den Redeschwall von SVP-Gemeinderat Samuel Balsiger zu stoppen, zeigt sich SP-Frau Anjushka Früh «zutiefst schockiert» darüber, welches Gedankengut in diesem Saal vertreten werde; ihre grüne Kollegin Karin Rykart sieht in Sachen Meinungsfreiheit eine «rote Linie» überschritten und fordert in leicht bebendem Ton repressive Massnahmen: Warum hat der Ratspräsident nicht längst eingegriffen? Derartige Szenen gehören im Gemeinderat der Stadt Zürich zum Alltag. SVP-Vertreter poltern, Linke ergehen sich in moralischer Entrüstung, und wenn es gerade um Asylfragen geht, verfällt etwa die Hälfte der 125 Volksvertreter in Schnappatmung …

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Ode an einen Hühnerstall

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